„Kreuzspinne und Kreuzschnabel“

Dieser und andere Sprüche gehören zur Kindheit einer ganzen Generation – Eine Ausstellung im StadtMuseum Pirna erinnert an den Mann dahinter, den Ehrenbürger Heinz Fülfe

Der erste Fernseher kam in den 1960er Jahren in unsere Familie. Obwohl ich da bereits zur Sparte der Jugendlichen gehörte, saß auch ich mit vor der Flimmerkiste, wenn Kindersendungen liefen oder der Abendgruß ausgestrahlt wurde. Vielleicht lag es ja am fehlenden 24-Stunden-Angebot oder daran, dass es damals einfach dazu gehörte. Später hatten meine Töchter ihr Vergnügen, wenn Fuchs und Elster, Flax und Krümel, Taddeus Punkt und alle die anderen Figuren ihre Späße trieben. Einem, der bereits in den Anfängen des Fernsehens in der DDR dabei war, hat das StadtMuseum Pirna eine Sonderausstellung gewidmet – Heinz Fülfe. „Zwischen Märchenwald und Staffelei“ heißt die Schau, die noch bis zum 26. April dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr zu sehen ist. http://www.pirna.de/stadtmuseum  Im Märchenwald waren und sind Fuchs und Elster zu Hause. An der Staffelei saß Heinz Fülfe neben der Puppenspielerei ebenfalls mit Erfolg. Den Besuchern der Ausstellung jedenfalls gefallen seine Bilder, die alle eine tiefe Verbundenheit zu seiner Heimat zeigen. Das hörte ich im Gespräch mit ihnen und das ist auch dem Gästebuch zu entnehmen. Apropos Gästebuch. Darin hat sich auch die Urenkelin von Heinz Fülfe mit einer kleinen Liebeserklärung verewigt.

Eine charmante Einstimmung auf die Ausstellung ist der Film, der im Erdgeschoss in einer Dauerschleife läuft. Noch bis zum 29. Februar laden darin Flax und Krümel auf den Königstein ein. Der schwarz-weiß Film wurde erstmals am 18. August 1957 gesendet. Vom 1. bis 31. März heißt es dann „Flax und Krümel besuchen ihre Oma auf dem Königstein“. Erstausstrahlung am 24. Oktober 1957. Im letzten Monat wird dann der Film „Ferienexpedition in die Steinbrüche der Sächsischen Schweiz“ gezeigt, der zum ersten Mal am 20. Juli 1971 ausgestrahlt wurde. Alle drei Filme ständig zu zeigen würde den finanziellen Rahmen des Museums sprengen, erfahre ich von der Museumsaufsicht. Die Lizenzgebühren seien zu hoch. Wer an allen drei interessiert ist, kann ein Kombiticket für acht Euro erwerben und spart so vier Euro bei einem dreimaligen Besuch der Ausstellung.

Wer war der Mann, dem Pirna in diesem Jahr eine Sonderausstellung widmet und dem die Stadt 1965 die Würde als Ehrenbürger verlieh? Heinz Fülfe wurde am 5. Januar 1920 im sächsischen Freiberg geboren. Einen Teil seiner Schulzeit verbrachte er in Elsterwerda. Hier sammelte er bei Hans Nadler (1879-1958) erste Erfahrungen in Sachen künstlerisches Schaffen. Nach dem Abitur in Pirna setzte Fülfe hier seine Ausbildung fort und begann eine Lehre zum Bühnenbildner am Dresdner Staatstheater. Anfang der 1950er Jahre gründete der Maler, Grafiker und Puppenspieler zusammen mit Wolfgang Hensel die „Pirnaer Puppenspiele“. Von Beginn an war er im Fernsehen der DDR präsent. Er lieh Frau Elster seine Stimme, schrieb hunderte Manuskripte für das Sandmännchen. Und er etablierte gemeinsam mit seiner Frau Ingeburg Flax und Krümel, die seit 1955 im Fernsehen zu erleben waren. Als Taddeus Punkt war Fülfe zusammen mit Struppi ebenfalls im Sandmännchen unterwegs. Noch heute erinnert sich bestimmt mancher an den Mann im weißen Kittel mit der Baskenmütze. Ende der 1950er Jahre taucht schließlich sie auf: Frau Elster, der Vogel mit der nervigen Stimme, gesprochen von Heinz Fülfe. Sie und Herr Fuchs sind bis heute, wenn auch mit anderen Stimmen die prägenden Figuren im abendlichen Märchenwald.

Seine Arbeitsräume richtete sich Heinz Fülfe auf der Festung Königstein ein. Hier war er zu Hause, auch wenn er zeitweilig in Berlin lebte. Hoch oben über der kleinen Stadt in der sächsischen Schweiz entwickelte er zusammen mit seiner Frau Ingeburg so manche Idee. Hierher kehrte er immer wieder zurück, auch als er ab 1990 landauf und landab als Puppenspieler in Kindergärten und Schulen unterwegs war. Bis in die 1990er Jahre hinein hatten die Fülfes hier eine Wohnung. Ich erinnere mich noch gut daran, dass wir es in der Lokalredaktion der Sächsischen Zeitung immer irgendwie gut fanden, wenn es hieß: Heinz Fülfe ist auf der Festung. Im vergangenen Jahr, erfahren interessierte Besucher, hat ein Sohn die Sammlung von Heinz Fülfe dem StadtMuseum Pirna geschenkt. Da lag es nahe, anlässlich von dessen 100. Geburtstag eine besondere Ausstellung einzurichten. Beim Rundgang werden Erinnerungen wach, die die Besucher oft und gern mit einem Lachen und den Worten: „Weißt du noch…“ beleben. Für viele neu ist der Landschaftsmaler Heinz Fülfe. Auch das zu schauen, lohnt sich, nicht nur für Pirnaer oder Königsteiner. In Kindheitserinnerungen zu schwelgen, macht den Alltag schön. Fotos: Autorin

 

 

 

 

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