Glanzvoll vor 300 Jahren und heute

Die Paraderäume im Dresdner Residenzschloss – das königliche Hochzeitsgeschenk

Das Residenzschloss Dresden ähnelt einer Schatztruhe. Egal wann man hineinschaut, es gibt stets etwas Neues zu entdecken. Mit der Seniorengruppe des DJV Sachsen war ich im Laufe der Jahre immer mal wieder hier. Schlosseigene Ausstellungen, internationale Schauen. Wir haben stets neue, wunderbare Eindrücke mitgenommen. So auch nach dem  ersten Treff 2020. Es ging um das Thema, das seit dem letzten Jahr oft im Gespräch ist – die Hochzeit des einzigen Sohnes August des Starken mit der österreichischen Kaisertochter Maria Josepha vor 300 Jahren. Im letzten Sommer pilgerten Tausende zum Schloss Hubertusburg, das dem Brautpaar 1719 als Jagdschloss zum Geschenk gemacht wurde. Vielleicht ebenso viele kamen in den extra geschaffenen Kuppelbau im Dresdner Zwinger. Hier konnte man erleben, welchen Aufwand der recht selbstverliebte König betrieb, um sich und seinen Hof ins rechte Hochzeitslicht zu rücken. Seit September 2019 nun steht die Dresdner Residenz selbst im Mittelpunkt der Geschehnisse rund um die pompöse Hochzeit.

Unter Kurfürst Moritz erhielt das Dresdner Schloss zwischen 1548 und 1556 seine Renaissance-Prägung. Die Außenfassaden sind im Jahr 1889 im Stil der Neorenaissance umgestaltet worden. Nachdem 1701 ein Brand den Ostflügel des Schlosses vernichtet hatte,  erstellte August der Starke ein neues Konzept. Doch erst für die Hochzeit seines Sohnes 1719 machte man sich an die Umsetzung. 300 Jahre und eine wechselvolle Geschichte später, erlebt nun das Residenzschloss einen glanzvollen Höhepunkt. Audienzgemach, Paradeschlafzimmer und drei weitere Räume wurden originalgetreu wiederhergestellt und beeindrucken die Besucher nach über 30jähriger Bauzeit seit September 2019. Auch den kleinen Ballsaal, der sich über zwei Etagen erstreckt und zeitlich wie baulich mit der Semperoper verwandt ist, können die Besucher bewundern. www.skd.museum.de  Über die Englische Treppe schreiten wir mehr oder wenig majestätisch nach oben.

Im Waffensaal sind prachtvolle Feuerwaffen des 16., 17. Und 18. Jahrhunderts aus dem Besitz der sächsischen Kurfürsten ausgestellt. Vom kleinen Ballsaal aus lohnt sich ein Blick auf den Theaterplatz mit dem König-Johann-Denkmal. Noch lohnender ist der Rundblick im Ballsaal selbst. Von den Säulen aus Stuckmarmor gehen die Blicke  nach oben. Hier krönen Leuchter aus böhmischem Kristallglas den Raum. Heute sind sie mit elektrischen Kerzen bestückt. Zu König Augusts Zeiten verbreiteten Wachskerzen ihr Licht. Um diese gleichzeitig anzuzünden wurde der Leuchter herabgelassen, eine Zündschnur um die Kerzen gelegt und angezündet.

Weiter führt der Weg ins Turmzimmer. Die heutigen Spiegel wurden vom Dresdner Frauenhofer Institut entwickelt. Ursprünglich waren sie aus besonders geschliffenem Glas, an dessen Herstellung Ehrenfried Tschirnhaus beteiligt war, dessen Name auch im Zusammenhang mit der Erfindung des Meißner Porzellans eine wichtige Rolle spielte. Mit Elementvasen des Hofbildhauers Johann Kaendler kehrten auch Meisterwerke der Porzellankunst auf die Wandkonsolen zurück, die 75 Jahre im Depot der Staatlichen Kunstsammlungen lagerten.

Eine Fotorückschau in den Zustand der Räume in den 1980er Jahren stimmt schließlich ein auf die Paraderäume, die anlässlich der Hochzeit des Königssohnes 1719 eingerichtet wurden – das Ecktafelgemach, zwei Vorzimmer, das Audienzgemach mit Thron sowie das Paradeschlafzimmer mit einem grandiosen königlichen Bett. Den reich ausgestatteten Eckparade-Saal zieren Porträts, geschaffen von Luis de Silvestre. Links und rechts erinnern zwei österreichische Öfen an alte Baukunst. Hier, so erfahren wir von Frau Jacques, fanden Schauessen statt. Das hieß, während ausgewählte Personen speisten, standen weniger bedeutungsvolle drei Stunden drumherum und sahen zu. Im folgenden 1. Vorzimmer, das einst ein roter Teppich zierte, können heute die mit aufwändig gefertigten Teppichen verzierten Säulen bewundert werden. Im 2. Vorzimmer, ganz in Rot und Gold gehalten, beeindrucken zwei große Uhren mit Einlegearbeiten aus Messing und Schildpatt. Im Audienzgemach steht ein 1985 neu vergoldeter Thron, der ursprünglich von Benjamin Thomae geschaffen wurde. Neben den Augsburger Möbeln steht hier auch ein silberner Tisch mit einer zwei Millimeter starken Platte. Von diesem Raum aus geht es ins Paradeschlafzimmer. Hier fällt der Blick direkt auf ein gewaltiges Bett, dessen Himmel 4,50 Meter weit oben endet. Ob August der Starke oder das Hochzeitspaar sich jemals darauf niedergelegt haben, ist nicht überliefert. Auf alle Fälle besticht es mit seiner Größe und Ausstattung. Betthaupt und Bekrönung sind den Originalen nachgestaltet, die Wände im sächsischen Grün gehalten und die Vorhänge per Hand bestickt. Drei Jahre, so sagt man, haben 13 Maler an dem Deckengemälde gearbeitet.

Schließlich stehen wir sogar August dem Starken selbst gegenüber. Die Wachsfigur des über 1,70 Meter großen Herrschers konnte so lebensnah gestaltet werden, weil er mit 34 Jahren eine Lebendmaske von sich aus Wachs fertigen ließ. Übrigens lebte er mit einer Schuhgröße 40 im wörtlichen Sinne auf großem Fuß. Rote Absätze, die sich von den Fußböden kaum abhoben, sorgten zusätzlich dafür, dass der König wahrhaftig der Größte war. Für den zehn Meter langen königsblauen Mantel, der die Figur umgibt, wurden 177 Winter-Hermlin aus der russischen Taiga verarbeitet. Fotos: Autorin

 

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