Dresdner Erfindungen rund um den Kakao

Einstimmung auf die süße Seite von Weihnachten – ein Besuch im Schokoladenmuseum

Schokolade macht glücklich. Der große Genuss verwandelt sich umgehend in Hüftgold. Zwei Aussagen, die fast jeder von uns kennt. Dabei kann sie noch mehr die Schokolade oder besser der Kakao als Ausgangsprodukt. Er gibt auch süßen Sachen und herzhaften Speisen den besonderen Geschmack. Und letzten Endes ist Schokolade nicht nur in Tafelform zu bekommen. In wunderbarsten und vielfältigen Kreationen verpackt, fällt die Auswahl auch bei Camondas schwer. Woher die Schokolade kommt und was sie heute ist, kann man in der CAMONDAS Schokoladenwelt in der Schloßstraße Dresden entdecken.

„Camondas gibt es in Dresden an der Frauenkirche, in der Altmarktgalerie und hier an der Schloßstraße“, erfahren wir von Museumsleiterin Ines Seifert. „Mit der Eröffnung des Schokoladenmuseums im April 2019 an der Schloßstraße ist unsere Schokoladenwelt nun komplett.“ Für eine kompetente Führung durch die Welt der Schokolade und ihre Geschichte nehmen Ines Seifert und ihr Kollege Ansgar Nikau uns mit auf eine Reise vom Ursprung bis in die Gegenwart – das Verkosten verschiedener Formen von Schokolade inbegriffen.

Der Ursprung des Kakao, Grundlage für jede Schokoladenherstellung, liegt im Gebiet des heutigen Mexiko, Guatemala und Honduras. In Europa angekommen wurde der Kakao anfangs vor allem in Form von Trinkschokolade genossen. Friedrich August I. von Sachsen (August der Starke) wusste bereits im 18. Jahrhundert den Genuss von Schokolade zu schätzen. Man traf sich in Schokoladentrinkstuben oder reichte sie in silbernen Kännchen und feinstem Porzellan am Nachmittag. August der Starke beließ es nicht bei den Schokoladentrinkstuben. Er ließ spezielle Gefäße aus dem heute weltweit bekannten Meissner Porzellan herstellen – zu sehen auch auf dem berühmten Gemälde „Das Schokoladenmädchen“ von Etienne Liotard.

Heute ist das Trinken reinster Schokolade ziemlich in Vergessenheit geraten. Im Dresdner Museum-Café allerdings kann man Trinkschokolade in verschiedenen Varianten probieren. Schokoladentafeln mit einem hohen Prozentanteil an reinem Kakao dagegen kommen wieder mehr in Mode. Am weitesteten verbreitet ist wohl Schokolade in Verbindung mit Milch – als Getränk oder als Tafel. Die Dresdner Unternehmer Jordan & Timaeus haben nachweislich die erste Milchschokolade erfunden und verkauft. Am 22. Mai 1839 inserierten sie im Dresdner Anzeiger eine „Schokolade mit Eselsmilch”. Erst 1876 bot der Schweizer Daniel Peter Milchschokolade an.

Bevor die Tafel auf den Markt kam, wurde Schokolade in Formen gegossen. Auch hier kann Dresden auf eine lange Geschichte verweisen. Anton Reiche (1845-1913), Inhaber und Gründern der ersten Schokoladenformen Deutschlands mit Sitz in Dresden, hatte während seiner Wanderjahre in Frankreich die Herstellung von Schokoladenformen erlernt. Um 1878 stellte er in seiner Dresdner Fabrik die ersten Formen aus Weißblech her. In Schokoladenmuseum Dresden kann der Besucher neben anderen Gegenständen und Verpackungen für Schokolade eine umfangreiche Sammlung dieser Formen bestaunen, die zuvor in der Bienert-Mühle in Dresden-Plauen zu sehen waren. „Wir haben die Sammlung aus der Bienert-Mühle auf zehn Jahre von den Wiener Nachfahren von Anton Reiche erhalten“, so Ines Seifert. 1895 beschäftigte Reiche bereits etwa 1 100 Mitarbeiter. Schokolade herstellende Unternehmen wie Otto Rüger mit ihrer Kultmarke HANSI, Riedel & Engelmann, bekannt als Schwerter Schokolade, haben zusammen mit Anton Reiche um 1900 den Ruf Dresdens als Schokoladenstadt begründet.

Ganz in der Tradition als Schokoladenstadt ist das gesamte Sortiment bei Camondas aufgestellt. Kleine und große Tafeln, Pralinen der verschiedensten Geschmacksrichtungen, Schokoladenbier und Schokoladenlikör. Und eine besondere Praline – einen übergroßen Dominostein kann man hier erwerben oder sich zu Kaffee, Tee oder Schokolade schmecken lassen. Übrigens: Der Dominostein ist ebenfalls eine Dresdner Erfindung. Er wurde 1936 von dem Dresdner Chocolatier Herbert Wendler (1912-1998) erfunden. Die Dresdner Firma Dr. Quendt erbte das Originalrezept 1996 von Herbert Wendler und führt so eine Dresdner Tradition weiter.

Doch zurück ins Museum. Um jederzeit hochwertige Zutaten für die Schokoladen-Erzeugnisse anbieten zu können, geht der Unternehmensblick in die ganze Welt. Beim Rundgang durchs Museum erhält man einen Eindruck vom Kakaoanbau bis zur fertigen Schokolade. Die eigentlich grünen Schoten ändern im Reifeprozess ihre Farbe über Rot und Violett bis hin zu Gelb. In einem nächsten Schritt werden die Bohnen an der Luft fermentiert und haben danach leicht den Geschmack und auch die Farbe von Schokolade angenommen. Unter vorsichtigem Wenden werden die Bohnen dann in der heißen Sonne Lateinamerikas getrocknet. Die Krone der Verarbeitung kommt danach – die Röstung. Industrielle Röstung bei ca. 500 Grad geht schnell, schadet aber der Qualität, sagt Ines Seifert. Camondas legt für seine Produkte Wert auf bei 100 Grad sanft gerösteten Kakaobohnen.

An der Kostbar schließlich kann der Besucher die Ergebnisse testen. Natürlich schmeckt man den Unterschied zwischen der hier im Haus angebotenen Schokolade und der handelsüblichen Milchschokolade. Und natürlich sind wir uns auch bewusst, dass der Preis, den Schokoladenliebhaber dafür zahlen, sehr unterschiedlich ist. Vielleicht aber greifen wir demnächst einmal mehr zur kakaointensiveren Schokolade, die mit bis zu 70 Prozent und mehr Kakaoanteil zwar nicht diese verführerische Süße hat, aber auch kein Hüftgold produziert. Mehr noch. Kakao gilt bis heute als Gesundheitsgetränk, belebend und anregend. Und auch das war nicht nur mir neu: Für Kakao gilt ähnlich wie für Bier ein Reinheitsgebot, über dessen Einhaltung auch der Dresdner Verband der Schokoladenhersteller wacht. Fotos: Autorin

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