Egon Schiele – Erinnerung an einen Ausnahmekünstler

Der wohl berühmteste Sohn der niederösterreichischen Stadt Tulln wurde nur 28 Jahre alt. Bis heute prägt sein künstlerisches Erbe den Ort an der Donau

Nach einem Kurzbesuch 2009 in Tulln an der Donau begegnete mir im Sommer 2014 erstmals Egon Schiele. https://cosel10site.me/Schiele Nicht leibhaftig. Der Maler starb bereits am 31. Oktober 1918 an der sogenannten spanischen Grippe. Obwohl er nur 28 Jahre alt wurde, hat er Beeindruckendes hinterlassen. Natur- und Stadtlandschaften, Skizzen und Aktzeichnungen von Frauen und Männern gleichermaßen. Und er hinterließ – wenn man sich mehr mit Schiele und seinem intensiven Leben befasst – ein bemerkenswertes geistiges Erbe. Beiden Hinterlassenschaften widmet sich die Stadt Tulln auf besonderes Weise. www.tulln.at In seinem Geburtshaus, dem Bahnhofsgebäude der Stadt, ist ein begehbares Museum eingerichtet. Ein gut sichtbar markierter Egon-Schiele-Weg führt durch den Ort, unter anderem zum Familiengrab und zur Volksschule, die Egon Schiele besuchte.

Etwas ganz besonderes ist das Egon-Schiele-Museum selbst. www.schielemuseum.at Die Idee dafür stammt aus den 1980er Jahren. Ab 1985 wurde das alte Gefängnisgebäude dafür umgebaut. Zum 100. Geburtstag des Künstlers am 12. Juni 1990 schließlich eröffnet. Nach Umbau und Umgestaltung wurde im April 2011 die Dauerausstellung „Egon Schiele: Die Anfänge des Künstlers“ über die Sommermonate wiedereröffnet. Hier im Museum am Donau-Radweg erlebte ich zum ersten mal die Faszination „Egon Schiele“. Schon als Kind hockte er im Fenster der Wohnung und zeichnete das Bahnhofsleben. Mit nur 16 Jahren wurde Schiele an der Wiener Akademie angenommen. Es war nicht so seins, was hier gelehrt wurde. Unverkennbar waren die Einflüsse von Gustav Klimt Koloman Moser, Josef Hoffmann und Joseph Olbrich auf sein weiteres Schaffen. In dessen Mittelpunkt stand schließlich nicht so die akademische Bildung als Maler, sondern das persönliche Empfinden.

Auch wenn ein Museum künstlerisches und geschichtliches bewahrt und Besuchern präsentiert, ist es als Haus wandelbar. Nach einer großen Neuaufstellung des Egon-Schiele-Museums in Tulln aus Anlass seines 100. Todestages am 31. Oktober 2018 wurde in diesem Jahr die „Schatzkammer“ mit 16 Originalobjekten neu eingerichtet, in deren Mittelpunkt Natur- und Stadtlandschaften stehen. Ganz im Zeichen des neuen Mottos „Egon Schiele privat – eine biographische Annäherung“ ergänzten von April bis Oktober Veranstaltungen mit Schiele-Forscherin Alessandra Comini und  Schiele-Biographen Gregor Mayer sowie geführte Museumsrundgänge und Atelierprogramme das Angebot. Im Treppenaufgang lernt man das persönliche Umfeld Schieles kennen. Im ersten Stock lädt Alessandra Comini ein, ihre Reise nach Tulln, Klosterneuburg, Neulengbach, Krems, Mühling und Wien nachzuerleben. Im Hauptraum versetzten sechs Stationen mit einer jeweils siebenminütigen Präsentation per Monitor und Audio-Wiedergabe die Besucher in die Schiele-Welt. Originale Tonbandaufnahmen der amerikanischen Schiele-Forscherin im Gespräch mit Schieles Schwestern Melanie und Gertie und Adele Harms in den 1960er Jahren vermitteln einzigartige Emotionen.

Am 3. November endete in Tulln die diesjährige Museums-Saison. Die nächste beginnt am 28. März 2020. Bis zum 8. November erwartet dann das Egon-Schiele-Museum wieder viele interessierte Besucher. Vielleicht begegnen wir uns ja oder treffen uns auf dem Schiele-Weg durch Tulln oder in der Gedenkstätte im Bahnhofsgebäude. Mich zieht es bestimmt wieder hin. Eingeplant habe ich auch schon einen Besuch in der am 25. Mai 2019 eröffneten Landesgalerie Niederösterreich in Krems. www.lgnoe.at Das neue Haus widmet sich dem künstlerischen Erbe Egon Schieles unter anderem mit seinen Selbstdarstellungen und zeigt neben Kokoschka und Egger-Linz aus der Sammlung Franz Hauer weitere Werke der umfassenden Schiele-Kollektion. Foto: Daniela Holzer

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s