Hubertusburg und Zwinger – die großen Lieben königlicher Herrscher

Vor 300 Jahren machte August der Starke seinem Sohn Kurfürst Friedrich August II. und der österreichischen Kaisertochter Maria Josepha zur Vermählung im September 1719 ein wahrhaft kaiserliches Geschenk – er gab den Bau von Schloss Hubertusburg in Auftrag. Zwischen 1721 und 1753 entstand die weitläufige Anlage mit Schloss, Hofkapelle und einem beeindruckenden Park. Mit seiner im Gegensatz zu anderen sächsischen Schlossanlagen zurückhaltenden Fassadengestaltung, der besonderen Raumgestaltung und der beeindruckenden Schlosskapelle gehört Hubertusburg zu den wichtige Rokoko-Bauten Sachsens. www.hubertusburg-wermsdorf.de

Damit machte August der Starke nicht nur seinem Sohn ein prächtiges Geschenk. Hubertusburg war, wie die Hochzeit in Dresden selbst wie ein Spiegel der Eitelkeit des sächsischen Herrschers. Prunkvoll musste es sein und mit großem Pomp. Einen Eindruck davon erhält man auch in der Filmkuppel im Dresdner Zwinger. Hier lässt eine digitale Projektion das Schauspiel der Hochzeit aus der Sicht des Königs lebendig werden. www.dresden-xperience.de Zumindest das Drumherum. Die Hochzeit selbst bleibt außen vor. Diese Schau ist genau so sehenswert wie Hubertusburg selbst. Wer sich heute dorthin auf dem Weg macht, erhält interessanten Einblick in die dreihundertjährige Geschichte und kann sich an einer Anlage erfreuen, die in mehrfacher Hinsicht eine sehr bedeutende ist – in mehreren Epochen.

Doch zurück zur Geschichte. Nach der Hochzeit war das Dresdner Taschenbergpalais Wohnsitz der Neuvermählten. Im Gebiet von Schloss Hubertusburg nahe dem sächsischen Wermsdorf frönten Friedrich August und Maria Josepha ihrer Jagdleidenschaft und gaben wie damals üblich rauschende Feste. Nach dem Tod seines Vaters wurde Friedrich August II. (1696-1763) im Jahre 1733 Kurfürst und Herzog von Sachsen und als August III. auch König von Polen und Großherzog von Litauen. Da sich das öffentliche Leben des Herrscherpaares nunmehr auf Dresden und Warschau konzentrierte, wurde Hubertusburg zur königlichen Herbstresidenz. Hier stand zweifelsohne die Jagd im Mittelpunkt. Doch auch Opern kamen in einem hölzernen Ableger de Dresdner Opernhauses zur Aufführung. Manches Stück wurde sogar zuerst in Hubertusburg aufgeführt, ehe es die Hofgesellschaft in Dresden erfreute. Mit Beginn des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) änderte sich alles für Hubertusburg. 1761 wurde das prachtvolle Anwesen von preußischen Truppen geplündert.

Nach der prunkvollen Geschichte begann für Hubertusburg eine wechselvolle Geschichte. Um 1795 wurden hier Gnadenwohnungen für ehemalige Hofbeamte eingerichtet. Von 1813 bis 1815 war es Lazarett und 1838 schließlich wurde aus dem einstigen königlichen Jagdschloss nach vielen Umbauten das Landeshospital Sachsens. Zeitweise war hier ein Gefängnis, in dem unter anderem August Bebel und Wilhelm Liebknecht einsaßen. Hubertusburg war auch Anstalt für geistig kranke Kinder Frauen sowie Blindenschule.

Ab 1941 war Hubertusburg Unteroffizierschule und Lazarett. Im Mai 1945 besetzte die Sowjetarmee das Schloss. Es würde erneut geplündert und die Kapelle als Offizierscasino genutzt. Ab Herbst 1945 wurden ein Krankenhaus eingerichtet, eine medizinische Fachschule ließ sich hier nieder und orthopädische Werkstätten. Heute ist ein Teil der Anlage Fachkrankenhaus für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Neurologie. Einen weiteren Teil nutzt das Sächsische Staatsarchiv. Dieser jüngeren Geschichte ist ein eigener Bereich gewidmet. Mit viel Feingefühl und bewegend wird erinnert, dass es auf Hubertusburg nicht nur Prunk und Feiern gab.

Richtig ins Licht der Öffentlichkeit haben die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden das Schloss wieder im Jahr 2013. Anlässlich des 250. Jahrestages des Hubertusburger Friedens richteten sie hier eine Ausstellung ein. Für die gesamte Anlage, ihre Sanierung und den Erhalt sind nicht nur die Nutzer zuständig. Einen großen Anteil am Heute und an der Zukunft hat der Freundeskreis Schloss Hubertusburg e.V.. Vielfache Details erfährt der Besucher der Ausstellung, die noch bis zum 6. Oktober zu sehen ist, in dem aufwändig und fachkundig zusammengestellten Begleitheft „Friedrich August und Maria Josepha – Das verlorene sächsische Rokoko“. Das kostenlose Buch sollte man sich als interessierter Besucher unbedingt mit nach Hause nehmen. Und ein Besuch lohnt sich über den 6. Oktober 2019 hinaus. An den Wochenenden und feiertags gibt es 11.30, 14 und 15 Uhr öffentlich Führungen. Text und Fotos: Sabine Bachert

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s