Betrachten, Haltung zeigen, weiter denken

Am 7. Juli endet in Leipzig die beeindruckende Schau von Yoko Ono

Am ersten Wochenende im Juli endet „Yoko Ono – Peace is Power“ im Museum der bildenden Künste Leipzig.  Damit schließt die Schau einer Ausnahmekünstlerin ihre Pforten, die ich wahrscheinlich so nicht noch ein drittes Mal erleben werde. Erstmals begegnete ich Yoko Ono 2013 im österreichischen Krems. Auf  Tuchfühlung, leibhaftig. Ich las im Urlaub, dass Yoko Ono in der Minoritenkirche die Ausstellung „Yoko Ono. Half-A-Wind Show. Eine Retrospektive“ eröffnen würde. Die Kollegen der Kremser Presseabteilung luden mich, ihre deutsche Kollegin kurzfristig ein, dabei zu sein. Schon damals war ich fasziniert von dieser Form der Ausstellung. Rund 200 Werke aus sechs  Jahrzehnten Schaffens der damals 80-Jährigen präsentierte die Kunsthalle Krems. Sie zeigten Yoko Ono als Konzeptkünstlerin, avantgardistische Filmemacherin, gesellschaftspolitische Aktivistin und Poetin.

Sechs Jahre später vermittelt die Schau in Leipzig das alles  erneut auf beeindruckende Weise. Zur Eröffnung konnte die Künstlerin nicht da sein. Sie kam später. Ich konnte sie  nicht von Angesicht zu Angesicht erleben. Doch die diesmal gezeigten Werke faszinierten und berührten mich auch diesmal wieder.  Das Kräfteverhältnis zwischen Krieg und Frieden, ihre Überzeugung, dass die Macht des menschlichen Geistes die Welt verändern kann, wird beeindruckend dargestellt. Der Zusammenhang der Elemente Luft, Wasser und Erde finden sich in klaren Aussagen ebenso wieder, wie in fast verklausuliert wirkenden Darstellungen. In einen kleinen Heft, das den Titel „Handlungsanweisungen“ trägt, findet sich Yoko Ono wieder, so wie sie seit Jahrzehnten selbst ihr Leben gestaltet. Und sie fordert den Besucher auf, selbst aktiv zu werden. So sollten Besucher ihre Wünsche auf einen Zettel schreiben und  diesen an den Wunschbaum am Haupteingang hängen. Sie sollen später auf Yoko Onos isländischer Insel vor Reykjavik gesammelt werden.

Yoko Ono lebt in der Überzeugung, dass sich Menschen immer wieder im Leben begegnen können. Dann sollen sie zeigen, dass sie zusammengehören. In Krems hatte sie in einer Performance, dem „Promise Piece“, eine Vase mit orientalischen Ornamenten in Stücke zerbrochen und die Gäste der Eröffnung aufgefordert, sich Scherben mitzunehmen und sich nach zehn Jahren erneut zu treffen, um die Vase wider zusammenzusetzen. In Leipzig hängen in einem Raum Stahlhelme von der Decke herab gefüllt sind die Mahnmale an Krieg und Zerstörung mit unzähligen Puzzleteilen. Hier sind die Besucher aufgefordert, sich ein Teil mitzunehmen und  bei Wiederbegegnung zusammen zu fügen. Herauskommen würde dann wohl eine Fläche, blau wie der Himmel, ein einheitliches Ganzes wie die Erde – auf jeden Fall was zusammengehört und wir alle erhalten und nicht zerstören sollen. Auch hier wird deutlich Yoko Ono ist unverdrossen in der Welt unterwegs, um zu mahnen, um Gedanken und Handlungen für die Macht des Friedens anzustoßen. Fotos: Autorin

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