Pianoforte – Handwerkskunst und Musikerlebnis

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In Meißen verbindet ein besonderes Museum Geschichte und Gegenwart

Man müsste Klavier spielen können – diese Liedzeile kam mir unweigerlich in den Sinn, kaum hatte ich den Fuß ins Pianoforte-Museum in Meißen gesetzt. Der Konzertflügel im größten Raum ist zwar für Museumsbesucher tabu, doch an kleineren Ausstellungsstücken darf man sich versuchen. http://www.ferdthuermer.de Wer es kann, krönt damit vielleicht den Museumsbesuch, bei dem man tief eintauchen kann in die Geschichte dieses Tasteninstruments und in die Geschichte der Hersteller-Familie Thürmer.

Die Meißner Geschichte beginnt mit Ernst Ferdinand Wilhelm Thürmer. Er stammte aus Zittau und eröffnete 1834 in Meißen eine Werkstatt unter dem Namen „Ferdinand Thürmer“. Hier baute man zunächst tafelförmige und aufrechtstehende Klaviere. Dann kamen unterschiedlich große Flügel dazu. 1875 wurde ein Neubau in der Martinstraße 12 eingeweiht – im ersten Stock dieses Gebäudes befindet sich heute das Pianoforte-Museum. Doch weiter in der Geschichte. 1908 entstand an der Ferdinandstraße  eine neue Produktionsstätte. Von hier aus gingen Pianoforte-Instrumente in die ganze Welt hinaus. 1946 wurde die Firma Thürmer enteignet und 1955 die Klavierproduktion endgültig eingestellt. Die Familie Thürmer verließ die DDR. Jan Thürmer, der Ururenkel des Firmengründers nahm 1971 in Herne (Nordrhein-Westfalen) die Klavierproduktion wieder auf und führte damit die Familientradition in fünfter Generation weiter. Seit Ende der 1980er Jahre gibt es in Bochum ein neues Firmengebäude, das neben der Werkstatt für den Klavierbau einen Kammermusiksaal und sogar Wohnmöglichkeiten für auswärtige Künstler beherbergt.

Zurück nach Meißen. Im Pianoforte-Museum können Besucher die Geschichte des Instruments nachvollziehen. Ich gestehe, dass ich bislang vom „cembalo col piano e forte“, das Bartolomeo Cristofori um 1700 in Florenz erfand und das der sächsische Orgelbauer Gottfried Silbermann  in den 1720er Jahren kopierte und verbesserte, noch nichts gehört hatte. Klaviermechanik,  Dämpfung oder Harmoniumklavier – unbekanntes Terrain für mich. Doch das Interesse war geweckt. Ein Dankeschön an die Gestalter des Museums.  Die ausgestellten Dokumente belegen anschaulich wie sich die Firma entwickelte, welche Märkte sich Thürmer’s erschlossen haben und wie sich die jüngere  Geschichte ausgewirkt hat.

Seit 1999 ist Meißen um eine Pianoforte-Attraktion reicher – das Pianoforte-Fest. http://www.pianoforte-fest-meissen.de Im  Thürmer-Museum und weiteren Spielstätten lädt die Pianoforte-Festival GmbH jährlich dazu in den Sommermonaten ein. In diesem Jahr startete das Festival am 22. Mai. Noch bis 26. September  werden für dieses Instrument komponierte Werke aufgeführt.  Text und Fotos: Sabine Bachert

 

 

 

 

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