Vom Kaufhaus zum Schaufenster der Geschichte

Das  „smac“ Chemnitz  – ein Museumsbesuch mit besonderem Erlebnis-Potenzial

Vor fünf Jahren öffnete in Chemnitz das „smac“ seine Pforten und reihte sich damit ein in die Kette bedeutender Museen der Stadt, wie Gunzenhauser, Kulturkaufhaus Tietz, Industriemuseum. Eingetragen ist es in die Liste als „Staatliches Museum für Archäologie Chemnitz“. Und es ist nicht nur bedeutungsvoll für die Stadt, das smac gilt als das Schaufenster der sächsischen Landesarchäologie www.smac.sachsen.de. Von den acht Geschossen werden drei für das Museum genutzt, berichtet Kristina Faber. Die ehemalige Bauingenieurin führt im Ruhestand Interessierte durch rund 300 000 Jahre Kulturgeschichte des Freistaates Sachsen. „Ein Bruchteil von 6 200 Exponaten sind hier ausgestellt. Etwa 18 Millionen lagern in den Archiven.“ Alles sind Fundstücke aus sächsischem Raum, wie zum Beispiel das Nashorn aus Markkleeberg oder der Schädel eines Bison, gefunden im Tagebau Berzdorf. Dank der akribischen Arbeit der Archäologen war es auch möglich, aus hunderten Einzelteilen den ausgestellten Neandertaler nachzuempfinden. An den Wänden sind in Vitrinen Geschirr und Schmuckstücke ausgestellt, vor den Schaustücken kann man per Knopfdruck hören oder sehen, was wann wie oder wo entdeckt wurde.

Nach anderthalb Stunden und drei Etagen vorbei an Vitrinen, spannenden Einblicken in multimediale Elemente und Informationen von Kristina Faber bin ich ziemlich platt. Um tiefer in das Museum und sein Anliegen einzutauchen werde ich unbedingt noch mal herkommen. Dann mit mehr Zeit und wohl auch mit den Enkeln. Schließlich macht das, was hier in Sachen Menschheitsgeschichte geboten wird, den Besuch zu einem ganz besonderen Erlebnis. Von der ersten Ausstellungsebene, in der das Leben der Jäger und Sammler der Altsteinzeit dargestellt ist, geht es in die zweite Ebene. Sesshaftigkeit, Ackerbau und Viehzucht veränderten die Region ab 5500 v. Chr. bis 800 n. Chr. Der rund 7200 Jahre alte Holzbrunnen zum Beispiel gehört zu den ältesten gefundenen Holzbauten Mitteleuropas. Um die slawische Besiedlung bis hin zur Industrialisierung geht es in Ebene 3. Mit den Informationen über die Inbetriebnahme der Eisenbahnstrecke von Dresden nach Leipzig im Jahr 1839 hat unsere Aufmerksamkeit erst mal ihre Grenzen erreicht. Nach dem  Mittagessen im hauseigenen Café entscheide ich mich für eine weitere Runde im Museum.

Das Haus selbst ist eine architektonische Perle mit spannender Geschichte, die in den Erkern des Hauses ebenfalls auf drei Ebenen dargestellt wird. Das heute denkmalgeschützte Gebäude wurde nach Plänen des Architekten Erich Mendelsohn (1887-1953) gebaut und am 15. Mai 1930 als Kaufhaus Schocken eröffnet. Nach Stuttgart und Nürnberg war es der dritte Kaufhausbau Mendelsohns für Simon und Salman Schocken. Von Zwickau aus betrieb die Schocken KG bis zur Enteignung durch die Nationalsozialisten Ende 1938 eine der erfolgreichsten Warenhausketten Deutschlands. Bis 1945 als Merkur Verkaufsstätte, dann als HOWA (HO-Warenhaus) und Centrum Warenhaus und schließlich von 1990 bis 2001 als Kaufhof geführt, kann das Haus auf eine 71-jährige Kaufhausgeschichte zurück blicken. Danach passierte erst einmal nichts oder wenig.

Doch Chemnitz steht nicht nur zu historischen Überlieferungen wie dem liebevoll Nischl genannten Kopf von Karl-Marx www.chemnitz.de. Die Stadt hat schon anderen historischen Gebäuden zu neuem Leben verholfen, wie eingangs geschrieben. Und so erstrahlt nachumfangreicher Sanierung in den Jahren 2010 bis 2014 das oft als „Ikone der Moderne“ bezeichnete einstige Kaufhaus Schocken in neuem Glanz und wirbt wohl zu Recht mit dem Ausspruch „Kultur entdecken – Geschichte verstehen“ für einen Besuch.  Fotos: Sabine Bachert

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