Kamelie einmal anders

Im mittelsächsischen Roßwein überrascht eine 200 Jahre alte „Alba Plena“ mit ihrer Blütenpracht

Fast ist es schon eine Tradition, dass wir – Freunde und Familie – uns zur Blütezeit der Kamelien auf den Weg machen, die bunte Pracht gebührend zu würdigen. Pillnitz oder das Landschloss Pirna-Zuschendorf waren in den letzten Jahren stets das Ziel. Dieses Jahr steuerten wir Roßwein an. In dem mittelsächsischen Ort zwischen Döbeln und Nossen soll, so eine Anzeige, eine der ältesten Kamelien blühen.

Von Dresden aus ist es nur ein Katzensprung über die Autobahn. In Roßwein angekommen, folgten wir den Hinweisschildern an der Straße – und landeten auf einem recht unwirtlichen Parkplatz vor dem örtlichen Freibad. Von hier aus führt ein Wanderweg über Feld und Wiese, vorbei an hunderten Schneeglöckchen zum Kamelienhaus. Der erste Eindruck: Das Glashaus steht irgendwie verloren in der Landschaft. Ganz anders als das prunkvolle Haus in Pillnitz oder das aufwändig gestaltete Zuschendorfer Schloss.

Doch kaum hat sich die Tür hinter uns geschlossen, empfängt viel Freundlichkeit und Interesse den Besucher. Mitglieder des Heimatvereins Roßwein beantworten fachkundig die Fragen der Besucher, weisen auf besondere Exemplare hin. Wer mag bekommt eine komplette Führung einschließlich einer umfassenden Schilderung der Geschichte rund um die zweitälteste Kamelie nördlich der Alpen – eine Camelia japonica Alba Plena. Im Gegensatz zur rot blühenden Pillnitzer Kamelie trägt sie weiße gefüllte Blüten.
Schon 1831 verzeichnet die Chronik von Seifersdorf, dass eine „wahre Völkerwanderung zu den Kamelienbäumen im Wolfstal“ stattgefunden habe. Damals waren es drei kleine Pflanzen, aus denen Dank liebevoller Pflege große und mehr wurden. Bildtafeln informieren die Besucher über die Folgejahre. Ich wage einen Zeitensprung. 1961 wurde das baufällige Kamelienhaus erneuert. 1992 wurde das Gewächshaus saniert. Seit Dezember 2000 ist die älteste KAMELIE ein staatlich anerkanntes Kulturdenkmal. 2006 flossen noch einmal Zeit und Geld in die Gestaltung. Die gesamte bewegende Geschichte des Kamelienhauses und seiner Umgebung kann man in einer handlichen Broschüre nachlesen, die für kleines Geld zu haben ist. Apropos Geld. Der Eintritt in Roßwein ist frei. Gern können Besucher aber die Spendenbüchse füllen. Was auch wir gern getan haben, um so die liebevolle und zeitintensive Arbeit der Vereinsmitglieder zu unterstützen. Sie stehen nicht nur an den Wochenenden im Februar und März den Besuchern Rede und Antwort. Bis zur nächsten Blütezeit im kommenden Jahr tun sie viel, um das Haus zu erhalten, die Kamelien zu pflegen und zu vermehren. Im März dieses Jahres ist das Kamelienhaus im Wolfstal noch sonnabends und sonntags von 11 bis 16 Uhr geöffnet. Fotos: Autorin

http://www.heimatverein-rosswein.de

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s