Auto-Hochzeit im grünen Herzen der Stadt Dresden

Auf der einen Seite erstreckt sich der Botanische Garten Dresden, auf der anderen Seite beginnt der Große Garten. Eingerahmt von soviel Grün erhebt sich die Gläserne Manufaktur am Straßburger Platz. Interessierten gewähren die Scheiben – insgesamt sind es 27.500 Quadratmeter Glasfläche, die täglich gereinigt werden – einen Blick in die Produktion und auf die fertigen Autos im Turm. Seit 2001 werden hier sozusagen im grünen Herzen der Stadt Autos der Marke VW produziert. Begonnen hat alles vor 20 Jahren. 1998 gab es die ersten Gespräche. Üblicherweise siedeln sich Unternehmen am Stadtrand an. Das Vorhaben überzeugte und so konnten nach Bauabschluss 2001 die ersten VW-Phaeton A8 das neue Werk verlassen. Im Gegensatz zu Wolfsburg, wo Schlote in den Himmel aufragen ist in Dresden der 40 Meter hohe gläserne Turm das Wahrzeichen der Autofabrik. Wobei Fabrik ist der falsche Ausdruck. Hier wird von Hand gefertigt – also in einer Manufaktur. Über 84 000 VW Phaeton wurden bis März 2016 gebaut. Dann war Schluss. 2017 begann eine neue Zeitrechnung. An die Stelle von Benzinern und Dieselfahrzeugen dreht nun der neue e-Golf seine Runde durch die Etagen der Manufaktur.

Mitarbeiter in weißen Overalls verbauen Steuergeräte, setzen Cockpit, Sitze und Türen ein. Arbeiten, wie das Verschrauben der Sicherheitsgurte oder das Einsetzen der Scheiben übernimmt „Kollege Roboter“. Außerdem rollen 56 führerlose Transportfarzeuge zu den Montageplätzen. Sie bringen Teile und Werkzeuge, die genau auf diesen Arbeitsschritt abgestimmt sind. Die Karosserien, Batterien und Fahrwerksteile werden zugeliefert. Den Punkt, an dem Karosse und Unterteil der Fahrzeuge zusammengefügt werden nennen die Mitarbeiter fast liebevoll „Hochzeit“. In zwei Schichten von 6 bis 22 Uhr geschieht das 72 mal.

Die Gläserne Manufaktur ist nicht nur eine hochmoderne Produktionsstätte. Sie ist zugleich eine Erlebniswelt. Führungen durch die rund 83 000 Quadratmeter große Ausstellungs- und Fertigungsfläche für Familien, für internationale Gäste oder eben für Interessierte wie unsere Seniorengruppe lassen sich buchen. Es gibt Kulturveranstaltungen und Angebote im Restaurant. Wer sich dafür interessiert, wird auf www.glaesernemanufaktur.de unter dem Stichwort Event fündig. Drei bis vier Veranstaltungen finden pro Woche in der Manufaktur statt. Darüber hinaus können Interessierte Probe fahren. Ein besonderes Angebot gibt es für junge Leute. Auf dem „Future Mobility Campus“ können Schüler ab der 3. Klasse und Auszubildende Unterricht der besonderen Art erleben. Fächer wie Werken oder Physik stellen sich damit ganz anders dar als im Klassenzimmer. Junge Start-up-Unternehmen haben im „Futury Mobility Incubator“ jeweils für ein halbes Jahr Räume mitten in der Manufaktur und so die Zukunft fest im Blick.

Am Ende des Rundganges steht fest, es  war sehr interessant und was der Architekt Prof. Gunther Henn mit seinem Team hier geschaffen hat, ist beeindruckend. Nicht vergessen wurde auch, dass sich an dieser Stelle das berühmte Kugelhaus www.das-neue-dresden.de befand. Eine als Vorführzentrum gestaltete Kugel im Foyer der Manufaktur erinnert an den einstigen Bau am damaligen Stübelplatz, der 1928 als Teil der „Jahresschau Deutscher Arbeit – Die technische Stadt“ errichtet und 1938 als “entartet“ abgerissen wurde. Fotos: KNOTH Fotografie/VW

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