Schloss-Geschichten einst und heute

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Nach dem sonnendurchflutenden Rundgang durch Görlitz sollte es zum Seniorentreff im Oktober etwas ruhiger zugehen. Wir trafen uns am Lingner-Schloss und genossen erst einmal den tollen Blick über die Stadt. Dann Mittagessen in den „Lingner-Terrassen“. Hier stieß Christina Avdi zu uns. Die studierte Journalistin ist als Stadtführerin und freie Mitarbeiterin für Kommunikation an der JugendKunstschule Dresden tätig. Die JKS – wie sie kurz genannt wird – ist im Areal von Schloss Albrechtsberg zu Hause. Eigentlich waren wir ja darauf aus, mal einen Blick in das Schloss und seinen berühmten Kronensaal werfen zu können. Leider wurde uns dies kurzfristig abgesagt. Also Schloss Albrechtsberg von außen und die JugendKunstschule von Innen. Manche von uns hatten noch Erinnerungen an den einstigen Pionierpalast und seine Kinder- und Jugendarbeit. Was heute hier geboten wird, da waren wir uns einig, ist toll.

Doch zunächst zurück in die Geschichte: Im Jahre 1779 heiratete der Schotte James Ogilvy, 7. Earl of Findlater, in Brüssel Christina Teresa Murray, die Tochter eines Generalleutnants in der Armee des Römisch-Deutschen Kaiserreichs. Überliefert ist, dass das Zusammenleben nur kurz währte, der Earl wegen seiner Homosexualität aus seiner Heimat ausgewiesen wurde. Er ließ sich in Dresden nieder, erwarb das Herrenhaus Helfenberg und mehrere Weinberge am Dresdner Elbhang.  Auf einem Teil ließ er ein Berg-Palais bauen, dessen Fertigstellung im Jahr 1811 er allerdings nicht mehr erlebte. 1821 entwickelte sich das Palais unter Johann Gabriel Krebs  zu einem der beliebtesten Ausflugsgaststätten Dresdens.  Richard Wagner, E.T.A. Hoffmann, Wilhelm von Kügelgen und Gottfried Semper kehrten hier unter anderem ein.

Um 1850 erwarb die Baronin von Stockhausen das Areal „Findlaters Weinberg“.  Nicht für sich, sondern für Prinz Albrecht von Preußen, der mit seiner zweiten Gemahlin, der Gräfin von Hohenau,  aufgrund ihres niederen Standes einen Wohnsitz außerhalb Preußens nehmen musste. Die Baronin ließ im Auftrag des Prinzen unter Nutzung der Grundmauern des „Findlaterschen Palais“ das neue Schloss, benannt nach seinem Herrn, errichten. www.schloss-albrechtsberg.de

1925 verkauften die Nachkommen der königlichen Familie Schloss und Grundstück an die Stadt Dresden. Fünf Jahre später wurde der Park für die Bürger und Gäste der Stadt geöffnet. Der damalige Oberbürgermeister Dr. Külz wollte die 13 ha große Parkfläche als „zweiten Großen Garten Dresdens“ für die Stadt erhalten. Um 1937 wurden Park, Pferdeställe und Reithalle von einer SA-Reiterstaffel genutzt. Ab 1943 dienten die Keller des Schlosses als Luftschutzkeller für Dresdner Kinderheime. Nach dem 8. Mai 1945 wurden alle drei Elb-Schlösser, die von Angriffen verschont geblieben waren, durch Frontsoldaten der Roten Armee belegt. Schloss Albrechtsberg war zeitweise Sitz der Sowjetischen Militäradministration.

Ab 1948 war das Schloss ein Intourist-Hotel. 1951 erfolgte der Rückkauf durch die Jugendheim GmbH Berlin. Aus Schloss Albrechtsberg wurde der erste Pionierpalast nach sowjetischem Vorbild auf dem Gebiet der DDR. Seit 1952 ist die Stadt Dresden erneuter Eigentümer. Bis 1990 verbrachten in dem zum Kulturdenkmal erklärten Haus Kinder und Jugendliche ihre Freizeit.

Die Gegenwart: Seit Herbst 1990 gibt es für  das Schloss und seine Anlage ein neues Nutzungskonzept, das Schritt für Schritt umgesetzt wird. So soll, wie jüngst in der Sächsischen Zeitung zu lesen war, bis Ende 2018 das Arbeitszimmer des Prinzen fertig sein. Auch auf der Beletage gehen die Arbeiten weiter, während der fertiggestellte Kronensaal bereits seit einigen Jahren  für Hochzeiten und andere festliche Anlässe zur Verfügung steht. Ab und zu ist ein Blick hinter die Kulissen möglich. In diesem Jahr laden Führungen im Schloss Albrechtsberg noch  am 25. November und am 9. Dezember jeweils 13, 14.30 und 16 Uhr Interessierte ein.

Mit der politischen Wende gehörte der Pionierpalast in einer bisherigen Form der Vergangenheit an. Der Gedanke, Kindern und Jugendlichen hier ein Freizeitstätte zu erhalten blieb dennoch erhalten. Und so etablierte die Stadt in dem ehemaligen Freizeitzentrum für Dresdner Kinder  die JugendKunstschule Dresden. www.jks-dresden.de  Die Einrichtung  bietet kreativ-künstlerischer Freizeit und Projektarbeit für Kinder ab vier Jahre, für Jugendliche, aber auch für Erwachsene und Familien im Dresdner Stadtgebiet an. Im Jahresprogramm stehen Kurse für Malerei, Grafik, Plastik, Keramik, Handwerk, Textiles, Tanz, Theater, Figurentheater, Schreiben und  Erzählen an.  Spiel- und Veranstaltungsort ist nicht nur das Torhaus  am Schloss Albrechtsberg. Auch im Palitzschhof in Prohlis,  im Tanzstudio im Paradiesgarten in Zschertnitz, im Club Passage Gorbitz und in der Kinder- und Jugendgalerie EINHORN in der Dresdner Neustadt wird das umfangreiche Angebot von siebzehn hauptamtlichen Mitarbeitern und rund 40 freien Kursleitern realisiert. Text und Fotos: Autorin

 

 

 

 

 

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