Der ISS und den Astronauten ganz nah

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In Morgenröthe-Rautenkranz lädt die Deutsche Raumfahrtausstellung ein

Morgenröthe-Rautenkranz. Klingt nach einem kleinen, gemütlichen und auch etwas versteckten Ort. Ist er auch – seiner Lage nach. Abseits der sächsischen Metropolen, sozusagen mitten im vogtländischen Wald gelegen, würde er wohl zu den vergessenen Orten gehören, wäre da nicht am 13. Februar 1937 Sigmund Jähn geboren. Der Sohn eines Sägewerkarbeiters und einer Näherin ging zunächst den Weg vieler Jungen in der DDR. Schule, Lehre als Buchdrucker, Militärdienst bei den Luftstreitkräften der NVA. In dieser Zeit forcierten die DDR und die Sowjetunion ihr Weltraumprogramm „Interkosmos“. Jähn kam mit anderen in die engere Auswahl und begann die Kosmonautenausbildung. Am 26. August 1978 war es dann soweit. Mit dem Raumschiff Sojus 31 flog er zur Raumstation Salut 6. Sigmund Jähn – der erste Deutsche im All. Ein Jahr später wurde im Oktober 1979 im ehemaligen Bahnhofsgebäude in Rautenkranz ihm zu Ehren eine Raumfahrtausstellung eröffnet.

Nicht weit davon legte man im Mai 2006 im Beisein von Sigmund Jähn den Grundstein für ein neues Domizil. Am 27. März 2007 öffnete die neue Raumfahrtausstellung ihre Pforten. Seitdem werden auf rund 950 Quadratmetern Fläche mehr als 1 000 Exponate aus der Geschichte der Raumfahrt gezeigt. Auch aktuelle Missionen sind mit einbezogen.

Ich war, wie viele tausend Besucher vor mir und noch hoffentlich viele nach mir, überwältigt. Mehr Geschichte und lebendiger Lehrstoff zum Thema Kosmos geht wohl kaum. Selbst, wer sich nicht für die Raumfahrt speziell interessiert, unterliegt der Faszination. Welche Forschung ist hier wahr geworden, welche Technik steckt in jedem Detail! Unwillkürlich blickt so mancher Besucher nach oben, wenn er die Ausstellung wieder verlässt. Da oben also…

Spontan spricht mich eine Frau an. Sie sei mehr ihrem Mann zuliebe hergekommen, sagt sie, und nun sehr beeindruckt. Gern empfiehlt das Gesehene weiter. Ganz still werden selbst die munter schwatzenden Teilnehmer einer Bustour im Kinosaal des Raumfahrt-Zentrums. Hier begibt man sich vom bequemen Sessel aus auf den Weg zur Internationalen Raumstation ISS, erlebt ein Stück Alltag der Astronauten mit und darf auf unsere Erde blicken.

Sigmund Jähn war der erste Deutsche im All. Zu Recht wurde ihm die Raumfahrtausstellung gewidmet. Seitdem waren noch zehn Deutsche in unterschiedlichsten Missionen mit verschiedenen Raumschiffen oder Shuttles im Weltall unterwegs. Einer von ihnen – Alexander Gerst – flog am 28. Mai 2014 an Bord eines russischen Sojus-Raumschiffes zur Internationalen Raumstation ISS Im Juni dieses Jahres startete er zu seinem zweiten Raumflug und ist der erste deutsche Kommandant auf der ISS.

Um die vielen Eindrücke zu verarbeiten, habe ich mich nach dem Ausstellungsbesuch – der sich übrigens mit dem rundum Angebot für die ganze Familie eignet – mit dem sehr informativen Begleitheft in einem nahegelegenen Café niedergelassen. Mein Blick fällt auf die beschauliche Landschaft. Zu Hause will ich unbedingt nachschlagen, ob der kleine Ort im Vogtland wirklich so beschaulich ist.

Ganz so ist es nicht. Bereits 1679 ließ ein gewisser Elias Steiniger an diesem Ort ein Hammerwerk bauen, das er nach dem Rautenkranz im sächsischen Wappen benannt haben soll. Rund 60 Jahre zuvor wird in der Gegend ein Zinnberkwerk „Die Morgenröthe“ erwähnt. Auch im 18. Und 19. Jahrhundert prägen Bergwerke, Hammerwerke und Eisenhütten und Hochöfen das Leben hier. Noch heute kann man im Freilichtmuseum einen historischen Hochofen bestaunen. Seit dem Zusammenschluss mehrer Orte der Region 2009 zur Gemeinde Muldenhammer ist Morgenröthe-Rautenkranz Ortsteil einer Gemeinde, die nicht nur wegen der Raumfahrtausstellung einen Besuch wert ist. Im Ortsteil Hammerbrücke gibt es einen Moorlehrpfad, zum Aktivwandern lädt das Zinnsbachtal ein, der Schneckenstein ist Europas einziger Topasfelsen. Text und Fotos: Sabine Bachert

Service: Deutsche Raumfahrtausstellung, Bahnhofstr. 4, 08262 Muldenhammer; Geöffnet sind Ausstellung und Planetenpark täglich von 10-17 Uhr, Zugang Behindertengerecht; Audioguide in Deutsch, Englisch und Tschechisch.

https://deutsche-raumfahrtausstellung.de; https://muldenhammer.com; 

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