Meine Sommerspaziergänge 2018 (8)

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Heute: Vorhang auf –  beim Sommerfest im Kraftwerk Mitte kommen Akteure und Besucher voll auf ihre Kosten

Sommer genießen und Kultur erleben. Unter diesem Motto lud am 1. September das Kraftwerk Mitte in Dresden zum Sommerfest ein. Der Sommer, der uns monatelang mit sonnigen 30 Grad und mehr verwöhnte, hatte sich ausgrechnet an diesem Sonnabend in die Pause verabschiedet. Temperaturen um 15 Grad und leichter Nieselregen hielten jedoch hunderte Dresdner und Gäste nicht davon ab, dabei zu sein. Vielleicht waren es ja sogar Tausende. Die Veranstalter jedenfalls waren mit den Besucherzahlen zufrieden. Mit dabei waren die Staatsoperette Dresden, das theater junge generation, die Eventlocation Kraftwerk Mitte, das Dresdner Energiemuseum, das Heinrich-Schütz-Konservatorium und die Hochschule für Musik. Die Neue Sachlichkeit, dasT1 Bistro & Cfe sowie Luby Service sorgten für ein vielfältiges leckeres Angebot an Speisen und Getränken.

Viel Beifall und Spaß gab es gleich zu Beginn um 14 Uhr. Auf einem zum Catwalk umfunktionierten Betonweg stellten Ensemblemitglieder und Mitarbeiter Kostüme aus dem Fundus der Staatsoperette zur Schau, die im Anschluss zu kleinem Geld verkauft wurden. Der Andrang dabei war groß und so kann man möglicherweise in der bevorstehenden Ballsaison manch eine junge Dame in einem der ausgedienten Theaterkleider erleben. Vom Laufsteg aus ging es dann zwischen den Gebäuden und über Plätze entlang. Auf der Theatergasse stellte sich die Puppentheatersammlung vor. Nebenan malten und bastelten kleine Künstler ihr eigenes Souvenir von diesem Tag. Zum „weiterdenken“ luden in der Trafohalle die Heinrich-Böll-Stiftung und die AG Stadtdokumentation ein. In der Schaltanlage – übrigens das noch einzige ursprüngliche Gebäude – entführte eine Videoinstallation von Dirk Großer in ungewöhnliche Sphären. Zwischendurch und mittendrin erklang Musik, kleine Tänzerinnen und Tänzer zeigten ihr Können. Auf der Hauptbühne stellten ausländische Mitbürger sich selbst und ihre Arbeit vor.

Mitten im Schlendern plötzliches Innehalten – markerschütternde Schreie schallten übers Gelände. Katastrophe? Menschen in Bedrängnis? Weit gefehlt – es waren Freudenschreie. Am Stand des Medienzentrums Dresden konnte man seine „Schreifrequenz“ testen und für den richtigen Brüller einen Fotobeweis mit nach Hause nehmen. Eine seltene Aktion, die bei Studenten, Familien, Freundinnen und Freunden, bei jung und alt gleichermaßen gut ankam. Gut angekommen war auch der Postkartenstand. Von hier aus wurden am laufenden Band kostenfrei Grüße an die versendet, die den Besuch des Sommerfestes im Kraftwerk Mitte verpasst haben.

Bevor aus den Gebäuden zwischen Wettiner Platz und Könneritzstraße das Kulturareal Kraftwerk Mitte wurde, war hier tatsächlich Dresdens ältestes Kraftwerk zu Hause. Ab 1838 entstand auf der Fläche des heutigen Industriedenkmals zunächst das Gaswerk Altstadt, das bis 1873 die Gasverorgung in Dresden sicherte. 1895 wurde die Produktion von Gas eingestellt. An dessen Stelle trat das Licht-Werk, das elektrische Energie aus Braunkohle erzeugte und fortan für Beleuchtung in Dresden sorgte. Um 1900 schließlich wurde das Elektrizitäts-Kraftwerk West errichtet. Von 1926 bis 1928 erneuter Umbau. Und auch in den folgenden Jahren wurde das Areal immer wieder den Anforderungen an die zeitgemäße Energieversorgung angepasst.

Zwischen 1960 und 1964 entstand neben der neuerbauten Nossener Brücke ein Braunkohle-Heizkraftwerk. Ein weiterer Neubau entstand zwischen 1993 und 1995 und wird seitdem von der Drewag Stadtwerke Dresden GmbH betrieben. Spätestens damit hatten die alten Industriegebäude ausgedient. Wegreißen? Anders nutzen? Was möglich sein könnte, demonstrierte die Drewag 2002. Im ehemaligen Kohleschuppen des Licht-Werks eröffnete eine Ausstellung zur Stromerzeugung. Die fiel wenige Wochen der Flut 2002 zum Opfer und wurde 2006 als Städtischs Energiemuseum Kraftwerk wieder eröffnet und um die Geschichte von Wasser-, Gas- und Fernwärmeerzeugung erweitert.

Bereits 2005 gab es erste Ideen zu einem gemeinsamen Standort für Theater und Kultur. Ab 2009 wurde es konkreter und von 2011–2016 geplant und gebaut. Nach und nach zogen die eingangs genannten Einrichtungen ein. Am 16. Dezember 2016 wurde der Standort als „Kraftwerk Mitte“ eingeweiht. Text und Fotos: Sabine Bachert

www.kraftwerk-mitte-dresden.de

 

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