Macht & Mode im Spiegelbild ihrer Zeit

Zwei neue Dauerausstellungen laden im Lutherjahr ins Residenzschloss Dresden ein

Sonnabend Nachmittag am Terrassenufer in Dresden. Es ist noch kühl, doch die Sonne scheint. Am Ufer gegenüber grünt und blüht es. Kichernd stellen sich drei junge Mädchen in Positur, machen ein Selfie, halten damit auch ein Stück Mode im Bild fest. Mode, die heute bunt ist, bequem und leicht zu pflegen. Nur wenige Meter von den Dreien entfernt, im Dresdner Schloss, kann man seit dem 9. April Mode bestaunen, die ganz anders ist, aber auch ein Spiegelbild ihrer Zeit. „Auf dem Weg zur Kurfürstenmacht“ und „Kurfürstliche Garderobe“ sind die beiden neuen Dauerausstellungen im Renaissanceflügel des Residenzschlosses überschrieben.

Ich bin neugierig, was die Mächtigen damals zur Schau stellten, um deutlich zu machen – hier herrschen wir. Mein Interesse gilt nicht so sehr den Mitteln der Macht. Auch wenn die ausgestellten Rüstungen, Waffen und Gerätschaften prunkvoll die Blicke auf sich ziehen und ohne sie die Mode der Herrschenden vor 400 Jahren vielleicht anders ausgefallen wäre.

Mein Interesse gilt mehr der Mode. Manches hat man ja irgendwie schon mal gesehen – auf Bildern in Filmen. Aber so ein Original hat auf jeden Fall mehr zu bieten. Das Prunkkleid des Kurfürsten Moritz von Sachsen um 1545-1550 zum Beispiel. Breitschultrig in Schwarz/Gelb oder doch eher in Schwarz/Gold? Ein bisschen Dynamo-Gefühl kommt bei diesem Anblick nicht nur in mir auf. Oder das Landschaftskleid des Kurfürsten Johann Georg I. von Sachsen. Hier ist nicht nur das Blau der Elbe verewigt, man kann an den Rändern die Blicke wie auf einer Landkarte schweifen lassen. Gleich daneben lassen sich per Lupe und Fingerzeig Details direkt entdecken. „Mit so was kann man bestimmt nicht Fußball spielen“, meint ein etwa Zehnjähriger neben mir und zeigt auf eines der ausgestellten Prunkkleider der kurfürstlichen Kinder. Macht zu haben, hieß eben auch diese darzustellen. Kostbarste Stoffe, goldene Fäden, aufwändige Muster – die Prunkkleider der Damenwelt faszinieren wohl jeden Besucher. Sieh mal, hast Du bemerkt…Immer wieder fallen solche Worte, machen aufmerksam auf Details, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Mein Fazit: Macht & Mode ist einen Besuch wert. Bedauerlich nur, dass zehn Tage nach der Eröffnung der Audioguide nicht zum Einsatz kommen konnte. Die Texte seien zwar da, erfuhr ich, aber leider habe man es nicht pünktlich geschafft, die Ausstellungsstücke zu nummerieren. Die Beschriftung an den Vitrinen ist kein Ersatz. Museumsgemäß ist sie zu weit vom Betrachter entfernt und in ihrer Farbe schwer leserlich. Fotos: Autorin

www.skd.museum

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