Egon Schiele – der Film und meine ganz persönliche Geschichte

Was für ein gelungener Kino-Nachmittag. Der Film zog mich so in seinen Bann, dass ich den Piccolo missachtete, den ich mir im Kino so gern gönne. Die Flasche in der einen, das Glas in der anderen Hand starrte ich fasziniert zur Leinwand. Hier zelebrierte Noah Saavedra – Mitte Zwanzig und in seiner ersten Hauptrolle – das Leben des Malers Egon Schiele. Anders kann ich es nicht nennen. Valerie Pachner als Wally Neuzil, Maresi Riegner als seine Schwester Gerti Schiele und alle anderen Akteure taten ein übriges, um den Film „Egon Schiele: Tod und Mädchen“ über den österreichischen Künstler zu einem besonderen Erlebnis zu machen. Im Programmkino Ost kauften an diesem Nachmittag vor allem Frauen der Generation „länger junggeblieben“ Karten. In einer Kritik las ich jüngst, dass der Film vor allem diese Altersgruppe anspricht. Weil wir Kunst anders genießen? Weil wir nicht mehr kichern, wenn das Ur-Weibliche so offen daherkommt? Weil uns der Anblick eines schönen jungen Mannes ohne gestählten Body ein bisschen melancholisch macht? Weil familiäre Dramen zwar im Hintergrund bleiben und dabei doch vordergründig tiefe Einblicke ins Leben des Egon Schiele geben, der nur 28 Jahre alt wurde?

Für mich ist dieser Kino-Nachmittag auch deshalb etwas Besonderes: Egon Schiele und seine Familie sind mir vorher  schon zweimal begegnet. Nicht leibhaftig, versteht sich, sondern bei Besuchen im niederösterreichischen Tulln. Hier wurde Egon Schiele am 12. Juni 1890 als drittes Kind des Oberoffizials der k.u.k. Staatsbahn Adolf Eugen Schiele und der Marie Schiele geboren.
Im Egon-Schiele-Museum nahe der Donau erfährt man viel aus dem Schaffen des Malers, der sich mit 17 Jahren den Landschaften Niederösterreichs widmete. Schiele bricht nach und nach mit dem Naturalismus seiner Zeitgenossen, beginnt das Schaffen seines Vorbildes Gustav Klimt zu reflektieren und entwickelt eine Bildauffassung, die sein Werk der nächsten Jahre prägen wird. In dem er schließlich die Weiblichkeit und zugleich Zerbrechlichkeit der Frau in den Mittelpunkt stellte. http://www.egon-schiele.eu

Wen die Neugier gepackt hat, der kann vom Museum aus auf dem gut gekennzeichneten Egon-Schiele-Weg durch Tulln unterwegs sein. Dabei lohnt sich auch der Blick nach links und rechts. Tulln ist jeden Besuch wert. Am Ende des Weges langt man am Bahnhof an, dem Egon-Schiele-Geburtshaus. Ab Juni 2013 wurde die Tullner Bahnhofswohnung für Besucher zugänglich gemacht. Der Ort, der die ersten zehn Jahre im Leben Schieles beschreibt. Damit besteht die einzigartige Möglichkeit, den authentischen Ort zu begehen, der die ersten 10 Jahre im Leben Schieles beschreibt. Mit Hilfe modernster Medien wird die Familiengeschichte aufgezeigt. Angefangen von der behüteten Kindeheit bis zum sozialen Abstieg der Familie, der mit dem Auszug aus der Dienstwohnung 1904 endet. http://www.tulln.at/

Diese und weitere Details finden im Film nicht statt. Zu Recht, denn in diesem geht es um die Einzigartigkeit eines jungen Künstlers, der sich an seinem Vorbild Klimt orientierte und dabei ganz eigene Wege ging. Ich jedenfalls war gefesselt von der ersten Minute an. Und so hat im Nachhinein meine Zeit in Tulln an Bedeutung gewonnen. Fotos: Sabine Bachert

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